Archetypen im Storytelling

Jede Geschichte hat einen Protagonisten und, obwohl es viele Geschichten gibt, lassen sich die Charaktere auf wenige Typen reduzieren: die zwölf Archetypen.

Herausgefunden hat dies der Psychiater Carl Gustav Jung. Archetypen erleichtern das Storytelling insgesamt und sind in der Unternehmenskommunikation sehr zielführend. Denn Archetypen ermöglichen eine schnelle Identifikation des Kunden mit dem Unternehmen oder einem Produkt. Sie sind deshalb für einen gelungenen Markenaufritt daher unverzichtbar.
Die zwölf Archetypen nach Jung
Storytelling Archetypen sind allgemeine Muster oder Modelle, die wir leicht verstehen können. Sie stellen bestimmte Charaktere, Themen oder Symbole dar, die tief in unserem menschlichen Unterbewusstsein verwurzelt sind. Mit jedem Archetyp verbinden wir bestimmte Eigenschaften und Ziele. Für Marken bedeutet das: Mit Hilfe der Archetypen lässt sich ein einfaches wiedererkennbares Markenbild erschaffen.
 
Archetypen kommen in Geschichten, Mythen, Filmen – und auch Marken – vor. Odysseus oder Harry Potter sind mutig und stellen sich ihren Herausforderungen, weshalb sie den Archetyp des Helden repräsentieren. Figuren wie Yoda oder Dumbledore sind für ihre klugen Ratschläge bekannt und stellen damit den Archetyp des Weisen dar.
Menschen denken in Geschichten. Mit Storytelling erreichen Marken ihre Kundinnen und Kunden deshalb besser. Für eine gute Geschichte braucht es einen Protagonisten. In der Unternehmenskommunikation ist die Marke der Protagonist. Dieser lässt sich anhand der Storytelling Archetypen einfach erstellen. Der Archetyp gibt dann den Rahmen für die Kommunikation, das Design und die Handlungen vor.
Wie ergänzen sich also Archetypen und eine Marke, welche konkreten Beispiele aus dem Marketing existieren? Apple, Disney, Aldi oder Ikea – sehr viele international und national erfolgreiche Unternehmen nutzen Archetypen in ihrem Storytelling. Das sind einige Beispiele:
Die Marke RedBull steht für Abenteuer und neue Erfahrungen. Das spiegelt sich auch ich in ihrem bekannten Slogan „RedBull verleiht Flügel“ wider. Indem RedBull Extremsportarten fördert und zu Expeditionen und dem Überschreiten von Grenzen ermutigt – spricht es abenteuerlustige und mutige Menschen an. Das Unternehmen nutzt in seinem Storytelling den Archetyp des Entdeckers.
Schöne Möbel, die sich jeder leisten kann – damit spricht Ikea die Bedürfnisse und Wünsche von ganz normalen Verbrauchern an. Der Ansatz, stilvolles Design, erschwingliche Preise und einfache Montage zu kombinieren, ermöglicht es jedem ein gemütliches Zuhause zu schaffen. Ob Student oder Studentin, Familie, Single oder Seniorin und Senior – mit seinem bodenständigen und breit aufgestelltem Image steht Ikea für den Archetyp des Jedermanns.


Insgesamt gibt es zwölf Storytelling Archetypen, die für unterschiedliche Eigenschaften und Ziele stehen.

Der Entdecker

Der Entdecker probiert gerne Neues aus und sucht stets das nächste Abenteuer. Er ist freiheitsliebend und scheut nicht vor Risiken zurück.

Beispiel Marken: The North Face, RedBull


Der Unschuldige

Der Unschuldige ist neugierig, spontan und optimistisch. Er handelt gutmütig und wird als verlässlich angesehen. Der Archetyp steht für Natürlichkeit, Vertrauen und Ehrlichkeit.

Beispiel Marken: McDonalds, Coca-Cola

Der Unschulduge Archetyp

Der Weise

Der Weise handelt intelligent, analytisch und strebt nach der Wahrheit. Er teilt sein Wissen mit seinen Mitmenschen in Form von praktischen Ratschlägen und Tipps.

Beispiel Marken: TED, BBC


Der Rebell

Der Rebell tritt provokant auf, hinterfragt und bricht bewusst mit Regeln. Er steht für Befreiung und gibt den Anstoß für Veränderungen.

Beispiel Marken: Harley Davidson, Tesla

Der Rebell Archetyp

Der Zauberer

Der Zauberer Archetyp

Der Zauberer macht Unmögliches möglich. Unternehmen dieses Archetyps handeln visionär, gelten als Vorreiter und transformieren ihre Branche.

Beispiel Marken: Apple, Google


Der Held

Der Held stellt sich mutig und willensstark seinen Herausforderungen. Er setzt sich für das Wohl anderer ein und inspiriert damit andere, es ihm nachzumachen.

Beispiel Marken: Nike, Porsche

Der Helden Archetyp

Der Liebende

Der Liebende Archetyp

Der Liebende schafft Geborgenheit und Nähe, tritt aber auch leidenschaftlich und verführerisch auf. Er vermittelt anderen ein Gefühl von Vertrautheit und besonderer Wertschätzung.

Beispiel Marken: Chanel, Lenor


Der Narr

Der Narr lebt im Augenblick und sucht stets das Vergnügen. Er will seinen Mitmenschen Freude bereiten und unterhält sie.

Beispiel Marken: Media Markt, Axe

Der Narr Archetyp

Der Jedermann

Der Jedermann Archetyp

Der Jedermann ist wie ein guter Freund an der Seite. Er ist bodenständig, loyal, unauffällig und stets zur Seite, wenn man ihn braucht. Der Archetyp steht für Zuverlässigkeit und Zugehörigkeit und wird häufig von Marken mit einer großen Zielgruppe verwendet.

Beispiel Marken: Ikea, VW


Der Beschützer

Der Beschützer sorgt sich um seine Mitmenschen. Er will sie vor Gefahren beschützen und wird als einfühlsam und hilfsbereit wahrgenommen und damit ideal für Unternehmen aus dem Servicebereich, wie Versicherungen oder Pflegeheime.

Beispiel Marken: ADAC, Dove

Der Beschützer Archetyp

Der Herrscher

Der Herrscher Archetyp

Der Herrscher tritt verantwortungsbewusst, gerecht und führungsstark auf. Er hat kein Problem damit die Kontrolle zu übernehmen und sorgt für den Erhalt von Ordnung. Dieser Archetyp eignet sich gut für Premiumprodukte.

Beispiel Marken: Mercedes Benz, Rolex


Der Schöpfer

Der Schöpfer ist kreativ und experimentierfreudig. Er steckt voller Tatendrang und möchte seine innovativen Ideen mit seinen künstlerischen Fähigkeiten umsetzen.

Beispiel Marken: Lego, Adobe

Der SChöpfer Archetyp


Archetypen sind über Geschichten tief in der menschlichen Kultur und Psyche verankert. Wir verbinden bestimmte Werte und identifizieren uns mit den universellen Charaktermustern dieser Typen. Als Marketinginstrument schaffen sie für Kundinnen und Kunden ein klares Bild des Unternehmens.

Archetypen schaffen eine emotionale Verbindung zur Zielgruppe und stellen Nähe und Vertrauen her. Das schafft einen Wiedererkennungswert und die Marke hebt sich damit vom Wettbewerb ab. Natürlich ist die Qualität des Produktes immer mit entscheidend, aber Vertrauen und eine Identifizierung mit der Story sprechen Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden tiefer an als bloße Produktfunktionen.

Einfache Wiedererkennung: Archetypen werden mit bestimmten Werten verbunden, die sich auf die Marke übertragen und mit ihr verbunden werden.
Emotionale Nähe: Menschen finden sich in den Archetypen wieder.
Konstante Kommunikation und Differenzierung: Archetypen geben eine klare Richtung für die Kommunikation auf sämtlichen Marketingkanälen vor. Außerdem helfen sie Marken, sich im Wettbewerb zu differenzieren, indem sie ihre einzigartigen Werte und Charakteristika hervorheben.

Welche Sehnsüchte möchte ich bei den Kundinnen und Kunden wecken und welche emotionale Wirkung will ich auslösen? Das sollten Marken sich zunächst bewusst machen: Wofür stehe ich? Welche Bedürfnisse der Zielgruppe möchte ich mit dem Produkt befriedigen? Wie soll die Marke wahrgenommen werden?
 
Anhand dieser Kriterien lässt sich aus den zwölf Archetypen, der passende für die eigene Marke finden.
1.
Zielgruppenanalyse:

Legen Sie zunächst die Zielgruppe mit ihren Wünschen, Werten, Bedürfnissen und Emotionen fest.
2.
Archetyp auswählen:

Wählen Sie einen Archetyp, der zu Ihrer Marke passt und mit den Werten und Bedürfnissen der Zielgruppe übereinstimmt.
3.
Konsistente Botschaften entwickeln:

Erstellen Sie Marketinginhalte (Werbung, Social Media), die den Botschaften Ihrer Marke und des gewählten Archetyps entsprechen.
4.
Erzählungen aufbauen:

Entwickeln Sie Geschichten, die den Archetyp in Aktion zeigen, um die Kundinnen und Kunden emotional anzusprechen.
5.
Feedback einholen:

Testen Sie die Resonanz in der Zielgruppe und passen Sie die Strategie bei Bedarf an.

Archetypen sind erwiesenermaßen eine effektive Methode für Marken, um klare Identitäten zu schaffen und eine emotionale Verbindung zur Zielgruppe herzustellen. Durch die Verwendung von Archetypen können Marken konsistente Botschaften und Erzählungen entwickeln, die in ihren Marketingstrategien, Produkten und Dienstleistungen verankert sind. Diese Methodik fördert nicht nur die Wiedererkennung und Loyalität der Kunden, sondern ermöglicht auch eine differenzierte Positionierung im Wettbewerb, indem sie die einzigartigen Charakteristika und Werte der Marke hervorhebt.
Wer hat die Archetypen erfunden?
Der Schweizer Psychiater und Psychologe Carl Gustav Jung hat die Archetypen entdeckt. Jung beschrieb die Archetypen als universelle Urbilder, die tief im kollektiven Unbewussten der Menschen verankert ist. Sie finden sich in Mythen, Märchen, Religionen oder modernen Geschichten immer wieder in ähnlichen Formen. Heute sind Archetypen nicht nur Teil der Psychologie, sondern auch im Marketing, Branding und Storytelling werden sie eingesetzt, um Marken und ihre Botschaften zugänglicher zu machen.
Archetypen einfach erklärt?
Archetypen sind wiederkehrende Charaktertypen, die Menschen einfach verstehen. Beispiele hierfür sind der Held, der Weise oder der Rebell. Jeder Archetyp steht für bestimmte Werte, Motive und Verhaltensweisen. Im Storytelling helfen sie dabei, Geschichten klarer und einprägsamer zu erzählen, da sie an bekannte Muster anknüpfen, die wir aus Geschichten oder unserem Alltag kennen.  
Gibt es Online-Kurse zu Storytelling-Archetypen?
Ja, es gibt zahlreiche Online-Kurse rund um das Thema Storytelling und Archetypen. Viele Kurse kombinieren hierbei die psychologischen Grundlagen mit praktischen Anwendungen für Branding, Marketing und Unternehmenskommunikation.  
Welche digitalen Tools helfen beim Entwickeln von Storytelling Archtetypen?
Für die Arbeit mit Storytelling-Archetypen gibt es unterschiedliche Tools, die den Prozess durch Strukturierung, Visualisierung und KI-gestützte Ideenfindung unterstützen können. Hierzu zählen beispielsweise Marken-Canvas-Modelle, digitale Whiteboards oder Storytelling Framework. Diese Tools helfen dabei, Archetypen genau zu definieren, die Markenwerte zu konkretisieren und so konsistente Geschichten über alle Kanäle zu vermitteln.